Positive Stimmen

Wie leben HIV-positive Menschen heute? Werden Sie diskriminiert? Wenn ja, wo und wie? Inwiefern ist HIV für sie ein Stigma? Diesen Fragen - und anderen - wird im Community-Forschungsprojekt „positive stimmen 2.0“ nachgegangen. Aus den Ergebnissen dieser großen Umfrage sollen klare Handlungsempfehlungen entstehen, wie HIV-bezogene Diskriminierung abgebaut werden kann.

Zentraler Bestandteil sind peer-to-peer Interviews: HIV-positive Menschen interviewen HIV-positive Menschen zu ihren Erfahrungen mit Stigma und Diskriminierung. Dieses Modul ist die Umsetzung des internationalen Projekts PEOPLE LIVING WITH HIV (PLHIV)-Stigma-Index in Deutschland. Dafür wurden 33 Menschen mit HIV als Peer-Forscher_innen und Interviewer_innen geschult. Von Mai bis Ende Dezember 2020 haben sie Interviews mit anderen Menschen mit HIV geführt. In einem weiteren Modul werden bestimmte Themen vertiefend untersucht. Das geschieht einerseits durch eine Online-Umfrage (Erhebungszeitraum: Juni bis Oktober 2020) und andererseits durch Fokusgruppen (Winter 2020 bis Frühling 2021).

Ziel des Projektes ist es, zu dokumentieren, wie Menschen mit HIV in ihrem Alltag Diskriminierung und Stigmatisierung erleben. Außerdem werden die Beteiligte (sei es die Interviewer_innen oder ihre Interviewpartner_innen) durch das Projekt in ihrer Selbstorganisation und der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema unterstützt. Schließlich wollen wir anhand der Ergebnissen einen konkreten Beitrag für den Abbau von Diskriminierung leisten, indem wir anhand der Studienergebnisse z.B. konkrete Handlungsempfehlungen an Politik, Verwaltung und Gesellschaft formulieren.

Das „People-Living-With-HIV-Stigma-Index“ erheben wir zum zweiten Mal in Deutschland. Die erste Umfrage zu Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV „positive stimmen“ (2012) hat viele und wichtige Erkenntnisse gebracht, wie sehr HIV-Positive in ihrem Alltag Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. Die Ergebnisse waren zentral für die Entwicklung und Weiterentwicklung der Antidiskriminierungsarbeit und haben die Beteiligten und die Communities gestärkt. Besonders interessant wird es sein zu beobachten, wie sich die Lage innerhalb von ca. 10 Jahren geändert hat, z.B: hat Diskriminierung in verschiedenen Bereichen ab- bzw. zugenommen? Welchen Einfluss hat N=N auf den Umgang mit HIV gehabt?

„positive stimmen 2.0“ ist ein Kooperationsprojekt der Deutschen Aidshilfe (DAH) und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ). Darüber hinaus kooperieren wir eng mit den Netzwerken und anderen Organisationen der Selbsthilfe von Menschen, die mit HIV leben und den Aidshilfen und Projekten vor Ort.

 

Referenznummer des Ethikvotums: ERCPN-223_84_05_2020