sechs Menschen sitzen auf einem Podium

Bis zum Jahr 2020 soll niemand mehr an Aids erkranken müssen

Das Projekt „HIV ist eine Möglichkeit” der Aids-Hilfe Saar startete erfolgreich mit einer Fachtagung für Ärzt_innen

Immer noch erkranken in Deutschland jährlich mehr als 1.000 Menschen an Aids. Dabei verfügen wir über hoch wirksame Medikamente, die zuverlässig verhindern können, dass Menschen, die mit dem Immunschwächevirus HIV infiziert sind, an Aids erkranken. Heute erkranken Menschen nur noch dann an Aids, wenn sie jahrelang infiziert sind, ohne es zu wissen.

Mit dem Projekt „HIV ist eine Möglichkeit“ will die Aids-Hilfe Saar erreichen, dass Infizierte im Saarland schneller diagnostiziert werden. Dazu sollen zum einen Ärzt_innen für das Problem der Spätdiagnosen sensibilisiert werden. Sie können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Menschen eine frühe HIV-Diagnose und damit eine rechtzeitige Behandlung zu ermöglichen. Zum andern soll die Testbereitschaft von Personen, die ein HIV-Risiko hatten, erhöht werden. „HIV ist eine Möglichkeit“ ist eine von 40 Aktionen, die die Deutsche AIDS-Hilfe im Rahmen ihrer Kampagne „Kein Aids für alle!“ in ganz Deutschland finanziert.

Das Projekt wird im Saarland auf breiter Basis unterstützt. Gesundheitsministerin Monika Bachmann hat die Schirmherrschaft übernommen. Am 13. Juni stellten die Bündnispartner vertreten durch Dr. Thomas Lamberty, Abteilungsleiter im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Sanitätsrat Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Sanitätsrat Dr. Gunter Hauptmann, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Beatrice Gospodinov, HIV-Schwerpunktärztin in Saarbrücken und Frank Kreutzer, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Saar das Projekt im Haus der Ärzte der Öffentlichkeit vor.

sechs Menschen auf einem Podium
v.ln.r.: M. Saar (Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes), San.-rat Dr. G. Hauptmann (Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland), Dr. Th. Lamberty (Abteilungsleiter im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie), F. Kreutzer (Geschäftsführer der Aids-Hilfe Saar), San.-Rat Dr. J. Mischo (Präsident der Ärztekammer des Saarlandes), B. Gospodinov (HIV-Schwerpunktärztin in Saarbrücken)

Im Anschluss fand eine Fachtagung statt, an der 25 Ärzt_innen teilnahmen. Nach der Begrüßung durch Dr. Mischo und einem Grußwort von Dr. Lamberty stellte der Geschäftsführer der Aids-Hilfe die Ziele des Projektes vor und erläuterte aktuelle Daten zur Epidemiologie der HIV-Infektion in Deutschland und im Saarland sowie zum Problem der Spätdiagnosen. Helmut Hartl, HIV-Schwerpunktarzt aus München, referierte zu den aktuellen und zukünftigen Therapieoptionen und zum Thema „ Leben mit HIV“. Die Saarbrücker Schwerpunktärztin Beatrice Gospodinov stellte das HIV-Netzwerk im Saarland und den neuen Leitfaden „HIV früh erkennen – Aids vermeiden“ der Deutschen AIDS-Hilfe vor. Der Leitfaden informiert Ärzt_innen über Indikatoren, die auf eine HIV-Infektion hinweisen können und gibt Tipps wie das Thema HIV im Patient_innengespräch angesprochen werden kann. Er kann über die Aids-Hilfe bestellt werden.

Allen Vortragenden war es wichtig, deutlich hervorzuheben, dass es keiner besonderen Hygienemaßnahmen in der Behandlung von Menschen, die mit HIV leben, bedarf und dass Infizierte unter einer funktionierenden HIV-Therapie nicht mehr ansteckend sind. Sie beklagten, dass es trotzdem immer noch ein hohes Maß an Diskriminierung gibt, leider auch im medizinischen und pflegerischen Bereich .

Den Abschluss bildete ein 90-minütiger Workshop. Unter dem Motto “Let’s talk about Sex” konnten die Teilnehmenden u.a. in Rollenspielen erproben, wie sie angemessen zu HIV-Risiken sowie zum HIV-Test beraten und mit Patient_innen über Sexualität reden können.

In einem weiteren Schritt des Projektes sollen Menschen, die ein HIV-Risiko hatten, dazu ermutigt werden, einen HIV-Test zu machen. Dazu werden neue Informationsmaterialien entwickelt, die über alle saarländischen Praxen, Klinikambulanzen und Apotheken verteilt werden sollen.

(Frank Kreutzer)